Aktuelles

MUSIK IM DIALOG
„TRÄNEN“
Lamento Project & Polynushka

12. November 2022, 19.30 Uhr
Adventkirche, Danziger Str. 201-203

Leidvolle Erfahrungen von Verlust, Scheitern und Unwiederbringlichkeit durch Trennung oder Tod eines geliebten Menschen, den Abschied von Idealen und Visionen, den Verlust von Heimat und Vertrautheit, jeder Mensch kennt sie, besonders in der aktuellen gesellschaftlichen Situation.
Musik ist eine Möglichkeit, der Trauer Ausdruck zu verleihen – ohne Worte. Sie kann den Trauerprozeß begleiten und emotionale Erleichterung schaffen, Verbundenheit herstellen und Trost spenden.

In meiner neuen musikalischen Kooperation zwischen LAMENTO PROJECT und POLYNUSHKA entwickeln wir in Berlin lebende Musiker aus Deutschland, der Ukraine, Russland, Polen, Österreich, Bulgarien, der Schweiz und Litauen ein Konzertprogramm um Trauermusik westlicher und östlicher Kulturkreise. Alte frühbarocke Lamenti des 17. Jahrhunderts, die unter dem Eindruck des 30-jährigen Krieges entstanden sind, verbunden sich auf stimmungsvolle Weise mit den traditionellen Trauergesängen aus der Ukraine und Russlands. Improvisationen schaffen die Brücke zwischen den musikalischen Welten und die vokalen und instrumentalen Klänge der Ensembles fügen sich zu einem künstlerisch-politischen Statement für Solidarität und Frieden.

Seid dabei!
Wir würden uns freuen!


Heim@t Berlin

Heimat?

Die Frage löst Sehnsucht aus, eine Art Heimweh – aber im Grunde nach einem Ort oder einem Zustand, den ich nicht wirklich beschreiben kann.

Als Tochter einer Österreicherin und eines Phillippinos, aufgewachsen im Tiroler Dorf, doch dort irgendwie nie heimisch, zur Schule in Innsbruck, zum Studium nach Wien, landete ich zum Leben dann vor über 20 Jahren in Berlin- und blieb.

Stelle ich mir die Frage nach Heimat, komme ich immer wieder auf diese Stadt zurück, in der ich schon so lange lebe, in der meine Kinder groß geworden sind und meine freischaffende Arbeit basiert ist.

Und Musik. Denn geht es um Gefühle, ist mir die Musik eine Heimat, ein vertrauter Raum, in dem man entspannen kann und der trotzdem stets spannend bleibt, in dem man zu Bekanntem zurückkehrt und gleichsam Abenteuer erlebt. Ein Ort von Trost, Mut und Wachstum, an dem man sich ausdrückt und mit anderen verbindet.

Das Glück, dass meine musikalische Welt an Berlin gekoppelt ist, ein Ort des Friedens und der vielen Möglichkeiten, wurde mir besonders im Frühjahr diesen Jahres bewußt.

Hier entstehen unterschiedlichste Projekte, geboren aus Freiheit, gespeist durch die Vielfalt der hier lebenden Künstler und ihren musikalischen Backgrounds, ermöglicht durch eine politische Wertschätzung der Freien Szene in ideeller und finanzieller Form, belebt durch die Ausdrucksvielfalt und künstlerische Stellungnahme im gesellschaftlich-politischen Diskurs.

HEIM@TBerlin Vol. 1 ist für much der Beginn einer Konzertreihe, die verschiedenste Formen haben kann. Sie präsentiert Berliner Künstler*innen, die sich diesem Thema in Form von musikalischen Projekten widmen, deren Entstehen und deren Identität auf diese Stadt zurück geht. Berlin ist ein Ort, wo man sich verstanden fühlt, der Diversität liebt und der die Freiheit bietet, grenzenlos zu gestalten.

Lasst uns feiern!

 

HEIM@tBerlin Vol. 1
Drei musikalische Begegnungen im HAUNT

UKRAINISCHER ABEND SA 13. August | 19 Uhr
Mit Krystyna Petrynka, Vokaltrio VEREMIIA und Artem Kara, E-Cello

KAMMERWELTMUSIK MI 17. August | 19 Uhr
Mit Open Chamber Berlin und Trio Laccasax

EAST MEETS WEST FR 19. August | 19 Uhr
Mit Mukdad & Lin, Polynushka und Open Chamber Berlin & Wu Wei

HAUNT (Kluckstraße 23, 10785 Berlin-Tiergarten)
Eintritt frei – Bar öffnet eine Stunde vor Konzertbeginn

Heim@tBerlin ist ein Format, welches im Rahmen von DRAUSSENSTADT, der Plattform für Berliner Stadtkultur im Freien (https://www.draussenstadt.berlin) entstand. 25 Künstler* aus aller Welt, zuhause in Berlin, präsentieren sowohl Musik ihrer ursprünglichen Heimat als auch das Resultat verschiedenster musikalischer Begegnungen in Berlin. Die stilistische Bandbreite reicht dabei von traditioneller Musik über Klassik bis zu Jazz und Improvisationen. Die drei Konzertabende versprechen spannende Begegnungen.

Stimmungsvoller Spielort ist der Hofgarten des HAUNT, ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und Kultur, das der Verein FRONTVIEWS  im ehemaligen Bildungszentrum des Grünflächenamts in Tiergarten betreibt (www.hauntberlin.de).

 

Die Veranstaltungen

HEIM@T  Berlin – Ukrainischer Abend
Samstag, 13.08.2022

Krystyna Petrynka : Die Bandura, das ukrainischen Nationalinstrument
Vokaltrio VEREMIIA: Alte und neue ukrainische Lieder
Artem Kara: E-Cello

Dieser Abend ist Musikern aus der Ukraine gewidmet, die erst seit kurzem in Berlin leben.

Von unbekannten Klängen des Nationalinstruments, der Bandura, über neue und alte ukrainische Lieder, gesungen von der Frauenband VEREMIIA bis hin zu Elektropop des E-Cellisten Artem Kara.

Artem Kara, an der Dnipro Academy of Music ausgebildeter Cellist, gründete 2017 die elektronisch-akustische CELLOVECHNO BAND. Vor einigen Monaten kam er mit seiner kleinen Familie in Berlin an, sein Ensemble ist noch in der Ukraine bzw. in Europa verstreut. So konzertiert Artem Kara alleine auf seinem E-Cello mit Zuspielungen. Sein kraftvolles Spiel bewegt sich zwischen Elektronik und Pop.

Krystyna Petrynka spielt die Bandura. Die gezupfte Lautenzither mit dem unverwechselbaren warmen Sound gilt als Nationalinstrument der Ukraine. Als Musikwissenschaftlerin schrieb Krystyna Petrynka sogar ihrer Magisterarbeit über die Bandura. Gerade als sie sich an ihre Dissertation machen wollte, begann der Krieg. Khrystyna Petrynka floh zu Verwandten nach Frankfurt, über das Stipendienprogramm der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) kam sie nach Berlin.

Das Vokaltrio VEREMIIA bietet alte und neue ukrainische Lieder. Die drei Sängerinnen kommen alle aus Riwne im Nordwesten der Ukraine und haben einen vielseitigen künstlerischen Background. Zhanna Bychkovska verzeichnete Erfolge als Schauspielerin wie als Pop-Interpretin und errang nationale und internationale Preise. Natalia Bojarska trat als Sängerin traditioneller Lieder, aber auch als Schauspielerin im Theater ihrer Heimatstadt auf. Oksana Ostrowska ist Ballett- und Volkstänzerin, Sängerin, Schauspielerin – und als Designerin von Kleidung auch eine Meisterin im Nähen ukrainischer Trachtenblusen.

„For me HOME means where is my family and where is safe. When nice people around you without evil thoughts. Only with feeling of safety you can create something beautiful.“

Artem

 

HEIM@T  Berlin – Weltenkammermusik
Mittwoch, 17.08.2022

Hören sie an diesem Abend christliche und islamische Instrumentalmusik mit Ney (orientalische Langhalsflöte), Laute, Violine, Gambe und Kanun (türkische Kastenzither) und Weltenkammermusik des Ensembles LACASSAX, welche Tango, Klezmer, Jazz, Klassik und Moderne im sich vereint.

OPEN CHAMBER Berlin
Catherine Aglibut: Barockvioline
Ömer-Kaan Özdag: Kanun (türkische Kastenzither)
Attila Wiegand: Ney (orientalische Längsflöte), Percussion
Christoph Sommer: Laute
Annette Rheinfurth: Violone

In diesem Konzert steht der musikalische Dialog mystische islamische und christliche Instrumentalmusik. Neben der Tasavvuf-Musik (Mystische islamischer Musik) dem Kernrepertoire der beiden Musikern mit türkischen Wurzeln aus Berlin und den Rosenkranzmysteriensonaten von H.I. F. Biber wird das Programm durch maurisch geprägte Musik aus Spanien, sephardische Stücke und auch Werke aus dem osteuropäischen Raum erweitert. Mit Respekt vor jeder Musiktradition bewegt sich das Ensemble spielerisch und assoziativ zwischen den musikalischen Welten. Die Klänge fließen ineinander und improvisatorische Momente schaffen einen Raum, in dem eine neue musikalische Begegnung entstehen kann.

„Heimat ist für mich, wo ich mich mit allen Facetten meines kulturellen Schaffens wohlfühlen kann. Deshalb ist Berlin für mich, als Deutscher mit teils türkischen Wurzeln der ideale Ort. Musikalisch ist es für mich die wilde Mischung aus Balkan, Klezmer, Orientalischen Klängen und urbanem Berliner Gefühl. Man weiß es außerdem, wenn einem keine Alternative in den Sinn kommt.“        

Attila

TRIO LACCASAX
Timofey Sattarov – Akkordeon, Piano / Komposition
Andrey Lakisov – Saxophone, Gitarre, Piano
Bernd Gesell – Kontrabass

Im Musikerleben gehört es zum Alltag, dass man ständig unterwegs ist und dabei immer wieder Grenzen überquert. Darunter sind sowohl geographische als auch musikalische Grenzen gemeint. Die Musik von Trio Laccasax verinnerlicht hierbei Einflüsse aus verschiedensten Kulturen. Musikrichtungen wie Tango, Klezmer, Jazz, Klassik und Moderne treffen sich in der sogenannten Kammerweltmusik – Weltmusik mit kammermusikalischem Anspruch. Man pendelt scheinbar mühelos zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltung, zwischen Einfachheit und Komplexität, Tiefsinn und Leichtigkeit, Bezeichnenderweise wird diese Verbindung von E- und U- Musik von dem Trio auch salopp »EU-Musik« genannt.

„Wir kommen aus drei verschiedenen Ländern. Das ist Weißrussland bei Andrey, Quedlinburg bei Bernd und im meinem Falle das weite russische Sibirien, wo ich mich noch gut daran erinnern kann, wie ich als Kind im wilden Feld auf die Kühe meines Vaters aufgepasst habe. Die Musik hat unsere Wege verbunden und uns alle drei ganz stark geprägt. Wir sind sozusagen in der Musik beheimatet. Die musikalische Sprache ist international.“

Timofey

 

HEIM@T  Berlin – East meets West
Freitag, 19.08.2022

17 Musiker aus zehn verschiedenen Ländern richten ihren Blick an diesem Abend in vielfältigen Konzertprogrammen Richtung Osten. Es erklingen russische und ukrainische Volksgesänge des Ensembles POLYNUSHKA, Musik der Seidenstraße von Ud und Guzheng mit MUKDAD&LIN und der italienischer Frühbarock des Ensembles OPEN CHAMBER Berlin verbindet sich mit traditionellen chinesischen Klängen von Sheng (Chin.Mundorgel) und Erhu (Chin. Kniegeige).

MUKDAD & LIN
„Entlang der Seidenstraße“
Wassim Mukdad – Oud 
Lixue Lin-Siedler- Guzheng, Koto

Die Seidenstraße ist eine der ältesten Handelsrouten der Welt. Über Jahrhunderte wurden hier nicht nur Waren getauscht, auch Religionen und Kulturen breiteten sich über sie aus. Bis heute besitzt die Seidenstraße eine geradezu mythische Aura, beflügelt unsere Fantasie, sie beschwört Bilder von schwer beladenen Kamelkarawanen und Basaren aus Tausendundeiner Nacht herauf. Das Duo MUKDAD & LIN hat ein Programm entwickelt, welches Musik des Nahen und Fernen Ostens vereint. Wassim ist ein in Berlin ansässiger Musiker aus Syrien. Er spielt die Oud (die arabische bundlose Laute), komponiert und dirigiert verschiedene Ensembles. Lixue lernt seit ihrem neunten Lebensjahr die chinesische Zither ‚Guzheng‘ nach der Schule von Wang Zhongshan und traditionellen Gesang nach der Sawai Schule mit Makiko Goto.

„Der Nahe und Ferne Osten treffen sich in der neuen Heimat Berlin. Trotz den traditionellen Klängen unsere Instrumente und musikalischen Hintergründen ist das Ergebnis völlig neu und überraschend. Berlin und sein Einfluss auf uns und unser Spiel schenkt der Musik eine völlig andere Beleuchtung.“

Wassim

POLYNUSHKA
„Stimmen der Heimat“
Deniza Popova – Dina Labinska – Darja Benert – Polin Proutskova – Veronika Massold – Anna Paszkiewicz – Elisabeth Rudi – Ilja Pletner – Lidija Kirjackaja

Das Ensemble Polynushka, übersetzt „Wermutsgras“, singt authentische osteuropäische Volksmusik im urbanen Raum und sie treffen auf Rezipienten unterschiedlicher Kulturkreise und Altersstufen. Ihre archaischen Volksgesänge erzählen von einer dörflichen Lebenswelt, die sie erneut zum Klingen bringen. Diese ukrainischen und russischen Volksgesänge sind für den Großteil des Publikums ebenso faszinierend wie fremd, daher bedürfen sie einer zeitgemäßen Kontextualisierung, die sich den alten Lebensweisen und Gesängen zuwendet, um ihnen ein ästhetisches Überleben jenseits der Archive zu ermöglichen. Die Sänger*innen sind in Russland, Ukraine, Bulgarien, Polen, Moldavien und Litauen geboren und zeigen durch ihre Stimmen, wie Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Reibungen ästhetisch ausgelebt und neues Leben entstehen lassen können. Sie suchen nach Möglichkeiten mit den nationalen und traditionellen Eigenheiten umzugehen, gemeinsam singen sie, in Frieden und Freiheit, für die Zugänglichkeit zu den Quellen des immateriellen Wissens. Im Bestreben, dem Alten im Sound der Gegenwart Resonanz zu geben sind sie stets auf der Suche nach neue Klangräumen, Kooperationen und offenohrigen Gastgebern.

Am Ende ist Heimat ein Gefühl. Es wird ausgelöst durch einen Geruch, den Anblick einer Landschaft, einer Bemerkung eines Menschen den du sehr gut kennst, eine Berührung. Diesem Gefühl in der Musik Ausdruck zu verleihen macht diese wiederum zur Heimat.“

Deniza

OPEN CHAMBER BERLIN
„East meets West“
Wu Wei – Sheng (Chin. Mundorgel)
Martin Ripper – Blockflöten
Catherine Aglibut – Barockvioline
Annette Rheinfurth – Violone
Christoph Sommer – Laute, Barockgitarre

In diesem Konzert begegnen sich der international renommierte Sheng-Virtuose Wu Wei und vier Musiker von Open Chamber Berlin. Wu Wei lebt schon seit über 20 Jahren in Berlin. In diesem für HEIM@TBerlin entwickelte Programm spüren sie im Besonderen seinen musikalischen Wurzeln im der traditionellen chinesischen Musik nach und setzen sie in Kontext zu  ihrer musikalischen Heimat, der expressiven italienischen Instrumentalmusik des 17. Jahrhunderts. Es ist wie eine Ferienliebe: Man spricht nicht die gleiche Sprache, fühlt sich aber angezogen von der Exotik unbekannter Klänge, Ornamente und Rhythmen und findet eine gemeinsame Heimat im musikalischen Erzählen. Auch improvisative Elemente sind ein selbstverständlicher Teil des Ensembles.

Als ein Musiker aus Shanghai in Berlin fühle ich mich frei – zwischen classic Musik, Jazz Musik, electronic Musik , contemporary Musik und improvisierter Musik. Meine musikalische Heimatstadt ist Berlin. Sie vereint das Alte, Klassische und ist gleichzeitig Neu Avantgarde. Sie zeigt die Kunst der Gegenwart und der Zukunft. Sie zeigt der Welt Demokratie und Frieden in der Kunst.“

Wu Wei


400 Jahre Jakob Hintze

Portrait of Jacob Hintze (1622-1702) , 1695. Private Collection. Artist Bodenehr, Moritz (1665-1749). (Photo by Fine Art Images/Heritage Images via Getty Images)

„Es muss eine musikalisch hohe Zeit damals in Berlin gewesen sein, als an der ersten Pfarrkirche drei Männer vom Range Crügers, Gerhards und Hintzes zusammenwirkten. Nie wieder in glücklicheren Zeiten hat die Sonne der Berliner Musikkultur so hell gestrahlt, wie an dem Morgen, da sie aus der Nacht des Dreißigjährigen Krieges aufging.“

Curt Sachs

Warum Hintze?

Warum könnte es überhaupt von Interesse sein, sich musikalischen Werken unbekannter Meister zuzuwenden in Anbetracht der Fülle von großartigen Komponisten?

Betrachten wir Musik als Landkarte, als Stadtplan. Verlassen wir als Besucher nicht auch mal gerne die großen prächtigen Boulevards, die bedeutenden Gebäude und berühmten Plätze, um uns in den kleinen Gassen zu verlieren, wo die Bewohner ihre Wäsche aufhängen und uns Essensduft um die Nase weht?

Wir vergleichen Türknäufe, Friseure, Ornamente auf Kacheln oder die Gesprächskultur und entwickeln ein Gefühl für die Mentalität der Bewohner, ihren Stil oder ihre Gewohnheiten.

Die kleineren Gassen in der Musik zu betreten erfordert das Eintauchen in einen bestimmten geschichtlichen Kontext. Wir erweitern unser Verständnis für den Geschmack der Zeit durch das Wissen um politische Ereignisse, daraus resultierende Lebensumstände, Erforschung musikalischer Einflüsse auf die Musiker während ihrer üblichen Wanderschaften sowie durch Vergleiche von Kompositionsstilen und nationalen Schulen.

Mit diesem Wissen im Hintergrund, viel Erfahrung im Gepäck und ehrlicher Begeisterung für diese unbekannte Berliner Musik von Jakob Hintze freuen wir uns dieses festliche Jubiläum musikalisch zu begehen.

Im Zentrum des Programms stehen die drei geistlichen Konzerte Jakob Hintzes, die erst vor kurzem von Marcellus Jany in der Stadtbibliothek Zürich wiederentdeckt wurden. Meine intensive Auseinandersetzung mit den Werken beförderte den Wunsch, diese Musik anläßlich seines 400jährigen Jubiläums einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Dies kann ich dank der Einladung des Berliner Stadtmuseums und der Förderung des  Senats für Kultur und Europa mit meinem Ensemble OPEN CHAMBER Berlin und den Gesangsolisten Georg Poplutz (Tenor), Simone Schwark (Sopran) und Felix Schwandke (Bass) an einem historisch adäquaten Ort in Berlin verwirklichen. In der Nikolaikirche, der einstigen „ersten Pfarrkirche“, könnte die Musik Hintzes auch damals erklungen sein. Johann Crüger, der dort von 1622-1662 als Kantor tätig war, schätzte Hintze als einen der bedeutendsten Musiker der Zeit.

Hintze selbst schreibt in einer Zuschrift, in welcher er sich über die Musik als Gabe Gottes im Allgemeinen und über die Eignung der Instrumentalmusik zu dessen Lob im Besonderen äußert, dass er „zu seiner Zeit, als lernbegieriger Jüngling die Natur der theoretischen Musik, soweit sie zur Composition Anleitung giebet, untersuchen wollen […] und nun mehr in solchen Schulen alt geworden sei; Als habe ich dasjenige, was ich darinnen gelernt und begriffen, zur Ehre Gottes kund und offenbar werden lassen wollen.“

So erscheint es sinnvoll, sich auf eine Spurensuche nach möglichen Prägungen und Einflüssen auf seinen Kompositionsstil zu begeben. Nach eingehenden Recherchen präsentieren wir eine vielfältige Auswahl an Werken von Komponisten, denen Hintze auf seinen Bildungsreisen begegnet ist oder die ihn geprägt haben: Heinrich Schütz, Crato Büthner, Johann Theile, Heinrich Albert und Johann Crüger.

Ein Programm, welches Jakob Hintze in den Mittelpunkt stellt, darf auch seine Tätigkeit als Stadtpfeifer nicht außer Acht lassen.

So möchten wir sein Jubiläum zum Anlass nehmen, das zumeist vernachlässigte Wirken der Stadtmusiker als eine Quelle des bürgerlichen Musiklebens zu würdigen. Sie ist neben der Musik in den Kirchen bis ins 19.Jahrhundert hinein die einzige Möglichkeit für das „einfache Volk“, Musik zu seiner Erbauung und Freude zu erleben.

So findet der Ausklang dieses Festkonzerts vor der Kirche statt, inmitten von Alt- Berlin, wie die Gegend einmal hieß. Das Bläserensemble „Brasso profundi“ (3 Posaunen und Zink) repräsentiert die Musik dieser bodenständigen, handwerklich organisierten Musikerzunft.

Simone Schwark – Sopran
Georg Poplutz – Tenor
Felix Schwandke – Bass      

Ensemble Open Chamber Berlin
Catherine Aglibut, Elisabeth Wiesbauer – Violine
Annette Rheinfurth, Juliane Laake, Ulrike Becker – Viola da gamba
Christoph Sommer- Laute
Arno Schneider – Orgel

Brasso profondo
Louise Oakes, Altposaune
Heide Klinkhammer, Tenorposaune
Bernd Hüske, Bassposaune

Berliner Stadtmuseum Nikolaikirche,
4. September 2022, 17.00

Tickets 15 € | 10 € (ermäßigt)
erhältlich online im Ticketshop vom Stadtmuseum
https://tickets.stadtmuseum.de/
oder an der Kasse im Museum Nikolaikirche

Kirche zum Guten Hirten
U Friedrich Wilhelm Platz
Bundesallee 76 a 12161 Berlin
3. September 2022, 19.00

Die Konzerte werden gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.